Der zweite Blick für Bonner und Nicht-Bonner

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Die vier wichtigsten Fotos 2014

Wieder nach 2013 habe ich mein Archiv durchstöbert und nach Bildern gesucht, die symbolisch meinen fotografischen Weg 2014 widerspiegeln. Also nicht meine vermeintlich besten Arbeiten, sondern die mit der größten Erkenntnis, der größten Bedeutung, dem größten Schritt für mich aus fotografischer Sicht. Private Motive mal außen vor gelassen. Ich habe vier Aspekte herausgegriffen, die mich 2014 beschäftigt haben und auch noch 2015 werden:

1.) Die entscheidene Frage

Ich fahre die Strecke über 100 mal im Jahr mit dem Fahrrad. Am Annerberger Hof bietet sich mir oft ein ähnliches Bild: Eine große Weide mal mit, mal ohne Pferde, mal verhangen, mal bunt. Eine typisch deutsche Alltagslandschaft. Aber ich bleibe immer kurz stehen, ob mir etwas ins Auge springt.

Und nur an diesem einen Tag, innerhalb einer halben Stunde (vorher kein Licht, hinterher kein Nebel) kam der Moment, den ich gar nicht erst suchen musste. Die Magie des Moments ist oft nicht bestimmt durch die Suche nach ihr, sondern ihr unerwartetes Auftreten. Hier gibt es keine Anleitung.

Diese Gelegenheit fotografisch zu nutzen bedarf natürlich erstens einer Kamera. Ich habe regelmäßig meine Kompaktkamera bei mir, gerade dann, wenn ich keine Motive erwarte. Der zweite Aspekt ist, diese kurze Zeit auch gestalterisch und technisch richtig zu nutzen. Ich habe nur die eine Chance. Habe ich den richtigen Bildausschnitt? Richtige Einstellungen? Gibt es andere Perspektiven? Aber vor allem:

Was macht diesen Moment aus?

Was will ich überhaupt fotografieren? Denn Magie -in welcher Form auch immer- ist nicht so recht greifbar und noch schwerer in Pixel zu transportieren. Diese Frage stelle ich mir seit diesem Moment am Annerberger Hof ganz bewusst immer wieder, und zwar wirklich wörtlich formuliert. Die Aufnahme einer Situation ist für mich nie die 1:1 Abbildung einer Situation,  sondern immer die Betonung eines Aspektes (was mal besser und mal schlechter gelingt).

Annaberger Hof

2.) Der eigene Auftrag

Ich bin unfähig zu finden, ohne zu suchen. Schnappe ich mir nur meine Kamera und strolche durch ein selbst gestecktes Terrain, dann knipse ich mal hier und mal da und mit Glück ist auch ein gelungenes Bild dabei, aber ich habe immer das Gefühl, dass ich das Wesentliche, was bei mir oft das Unwesentliche ist, übersehe.

Seit meiner Tour über den bombastischen Flohmarkt in den Rheinauen ist mir das bewusst geworden. Skurrile Geschichten hinter den Dingen auf den Tischen, lebhafte Feilscherei davor, Kommerz neben Liebhaberei. Und wollte ich zunächst alles einfangen, so hatte ich während der ersten halben Stunde nur belanglose Motive, die ich hinterher wieder aussortiert hatte. Also setzte ich mir ein ganz konkretes thematisches Ziel „Widersprüche“, später im Zuge des Pabuca-Themas Zodiac noch „Sternzeichen“.

Diese Vorgehensweise birgt natürlich die Gefahr, Gelegenheiten zu verpassen, aber es eröffnet für mich das Eintauchen in Themen, die ich so noch intensiver erforschen kann. Seit dieser Tour formuliere ich mir immer einen „Auftrag“, den ich erfüllen will, für mich selbst.

Sturzflug

3.) Bewusstes Lehrgeld

Seit zwei Jahren konzentriere ich mich auf urbane Fotografie jenseits der Orte, die ins Auge fallen oder nehme Aspekte bekannter Plätze durch die Hintertür ins Visier. „Aus dem eigenen Schatten heben“ nenne ich diese Art. Diese Vorgehensweise hat den ungemeinen Vorteil, dass ich mich lange mit einem Objekt auseinandersetzen darf, teilweise sogar in mehreren Anläufen. Richtige Objektivwahl, Fokus, Blende…

Ich habe mir für 2015 vorgenommen stärker Events und Personen in den Blickpunkt zu rücken. Neben der Herausforderung, hier auf Menschen zuzugehen, sowohl fotografisch wie auch zur Klärung des Persönlichkeitsrechtes, sind hier ganz andere fotografische Qualitäten gefragt. In Sekundenbruchteilen ändern sich Situationen, ein minimal falsch gesetzter Fokus zerstört die gesamte Bildaussage.

Bei der Sportfotografie potenziert sich dies noch um die Geschwindigkeit und Unvorhersehbarkeit der Ereignisse. So hatte ich bei meiner ersten Session bei den Duisdorfer Ringern 500 mal den Auslöser betätigt, um mit ca. 30 Bildern zufrieden zu sein. 10 sind es wert, veröffentlicht zu werden. Das war schmerzlich, denn viele Aufnahmen hatten Potenzial…aber waren falsch fokussiert, abgeschnitten, schlecht im Bildausschnitt komponiert, falsch belichtet. Zu 80% soweit ok, aber für mich eben nur 80%.

Dennoch hat mir diese Serie die Augen geöffnet, hier mehr zu üben, und sei es bei belanglosen Events und ohne den Anspruch auf verwertbaren Output. Das ist neu für mich. Lehrgeld zahlen ohne Ergebnis. Aber dann auch nur in dieser Disziplin und nicht mal hier und mal da mit irgendwelchen Techniken was auszuprobieren. Schritt für Schritt.

Fokusbonn_Bilder2014_1

4.) Die Balance finden

Der Posttower siehe unten war das erste Bild, das ich aus der Serie „Fokus Bonn“ verkaufen konnte, und ich war sehr stolz darauf, denn 90 € aus dem eigenen Geldbeutel sind noch ein anderes Kaliber als ein „Like“ oder Schulterklopfen.

Und die Motivationen von nicht professionellen Fotografen, ihre Bilder zu veröffentlichen -ob online oder offline- mögen unterschiedlich sein, aber ich denke bei jedem schwingt die Absicht mit, sich zu „äußern“ und dass diese Äußerung nicht im leeren Raum verhallt. Ich muss mich jedoch immer dann, wenn ich eine Auswahl treffen muss, zum Beispiel für eine Ausstellung wegen begrenztem Platz oder natürlich auch einer Kostengrenze, folgende Fragen stellen:

Entspricht die Auswahl nur dem fotografischen Konzept, oder auch meiner Leidenschaft für sie? Sind diese Bilder ich selbst oder erwarte ich hier nur das größtmögliche Feedback? Habe ich einen -meinen- Stil konsequent zu vertreten? Will ich Bilder verkaufen oder zeige ich Bilder, die der Betrachter, selbst wenn der sie wertschätzt, sich nicht ins Wohnzimmer hängt? Ist andererseits der „künstlerische Anspruch“, was Eigenes zu schaffen, fremdgesteuerter, als ich mir zugestehe?

Auch durch die Bloggerei laufe ich manchmal Gefahr, „schöne“ Bilder zu posten. Sie werden einfach besser angenommen, siehe mal die „Hot posts“ in der Sidebar. Das macht sie natürlich auch zugänglicher, berechenbarer und damit auch beliebiger. Aber steht das überhaupt im Vordergrund? Insofern war für mich die Auswahl zur „Fokus Bonn“ eine Herausforderung, die Waage herzustellen zwischen Aufmerksamkeit und eigenem Anspruch, ohne mir untreu zu werden.

So steht das Posttower Bild für mich als die stetige Schleife für eben diese Frage: Für wen oder was fotografiere ich? Die Antwort „Natürlich für mich selbst, und wenn es anderen gefällt, freut es mich.“ greift es jedenfalls nicht.

Fokusbonn Saal+Bild (1 von 1)

Wer will, kann Bilder der Serie „Fokus Bonn“ am Samstag, 17.1., 15:00 Uhr bei der Vernissage in der Goethestraße 33 anschauen und mit mir die vielen Fragen beantworten, 😉 Einfach nur hier als Kommentar ankündigen.

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