Der zweite Blick für Bonner und Nicht-Bonner

Tot oder lebendig

Der Flohmarkt in den Rheinauen (einer der größten Deutschlands) ist ein Mekka für Fotografen. Selten stehen solche Extreme nebeneinander, die heilige Maria neben Superman, der Porzellan-Elefant neben der Lava-Lampe. Totes wird wieder lebendig.

Geschmack spielt hier keine Rolle. Wie ein Treffpunkt von Skullitäten, die ihre Auferstehung feiern oder das letzte Mal das Tageslicht sehen.

Doch gerade die Zwischenwelt von ehemals Lebendigen oder was vor nicht allzulanger Zeit noch liebkost wurde und sich jetzt im Überlebenskampf anpreisen muss, hat so etwas Untotes, bei dem ich nie weiß, ob ich es äthetisch, lustig oder gruselig finde. Auf jeden Fall aber faszinierend. (Klick auf ein Bild für die Diashow, als Galerie etwas konfus)

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13 Antworten

  1. Mega Christian! Einfach mega (wie man bei uns so schön sagt) 😀 thx, you made my Monday morning 🙂

    19. Mai 2014 um 9:21 am

    • Danke sehr! Ich habe ja auf ein Giga gehofft, aber dass es sogar ein Mega wird! 😉

      20. Mai 2014 um 6:56 am

  2. Uwe

    Eine Masse an Gegenständen und Ereignissen, Zuständen und Veränderungen, Bewegungen und Geräuschen – der Flohmarkt, diese Zusammenballung des Diversen und Divergierenden. Dort kommt zusammen, was nicht mehr gebraucht wird, und gerade dadurch auf eine neue Art sichtbar wird.

    Die Surrealisten der 20er Jahre liebten soche Orte. Dort fanden sie ihre Objets trouvées, die sie dann psychologisch aufluden oder in ihre Objektkunst integrierten. Die Koinzidenz des Unzusammengehörigen, das war es, was sie faszinierte.

    In einem berühmten Statement des Comte de Lautréamont aus dem 19. Jahrhundert wird dieser zentrale Aspekt surrealistischer Ästhetik avant la lettre so formuliert:
    „Schön wie das zufällige Zusammentreffen einer Nähmaschine und eines Regenschirms auf einem Seziertisch.“
    Ein Satz, der die visuelle Struktur Deiner Fotos bestens illustriert, wie ich finde.

    Darüber hinaus hat jeder Gegenstand seine Geschichte, die wir in solchen Momenten, wo wir sie länger und in ungewohnter Umgebung ins Auge fassen, in unserer Fantasie nachzustellen versuchen.Und das kontraststarke S/W gibt ihnen noch den nostalischen Touch, verortet sie in einer unbestimmten Vergangenheit.

    Gruß, Uwe

    21. Mai 2014 um 12:48 pm

    • Ich lese deine Kommentare immer so gern. Du weitest meine Fotos nochaml um so viele Gedanken aus.

      Ja, der Satz passt, zumindest was meine Absicht angeht. Ich bin zwei Stunden über den Flohmarkt geschlendert und habe mir bewusst Themen gesetzt (wie Tot/Lebendig oder Kontraste), weil ich sonst durch die Fülle der Motive den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen hätte. Da spielen sich Geschichten vor meinem geistigen Auge ab. Vor, während und nach dem visuellen Moment auf dem Tapeziertisch. Die müssen erstmal gebändigt werden.

      23. Mai 2014 um 6:23 am

  3. Franka

    Genial, wie du die Essenz herausgeschält hast, nicht nur im Bild, auch im Wort. Ein bisschen unheimlich wirkt das Ganze. Man könnte sich vorstellen, wie die Puppen und Tiere nachts zum Leben erwachen *grusel*
    Liebe Grüße,
    Franka

    22. Mai 2014 um 9:29 am

    • Ja, ich finde Puppen an sich etwas gruselig (kann mir gar nicht vorstellen, wie kleine Mädchen in solch tote Augen blicken können), aber hier bekommen sie nochmal so ein Eigenleben in einer Zwischenwelt. Danke für deinen Kommentar.

      23. Mai 2014 um 6:25 am

  4. Unbelievable photos
    beautiful light
    those things all look as thought they are alive very unusual

    22. Mai 2014 um 10:35 pm

    • Thank you. Yes, you’re right. It’s like a twilight zone between dead or alive. I like those „world“, which awake. 🙂

      23. Mai 2014 um 6:30 am

  5. faszinierend, was du gefunden hast und wie du es geschafft hast, durch anordnung und bearbeitung eine durchgängige linie zu zeichnen.

    27. Mai 2014 um 11:32 am

    • Danke, wie ich schon oben irgendwo schrieb: Ich benötige den Fokus schon beim Fotografieren, sonst kommt nur ein undefiniertes Sammelsurium heraus.

      29. Mai 2014 um 4:02 pm

  6. Das ist ja mal ein richtig interessanter Flohmarkt! Dir sind tolle Bilder gelungen, die man sich gern mehrmals anschaut und staunt. s/w macht sie zeitlos, die meisten Fotos hätten auch vor 10 oder 20 Jahren aufgenommen worden sein. Besonders gefallen mir übrigens die Motive Abendspaziergang und Grasen.

    12. Juni 2014 um 4:53 pm

    • Vor allem ein groooßer Flohmarkt. Es ist so schön in diese kleinen Tapeziertischwelten einzutauchen. Ich liebe das, da spielen sich so viele Szenen vor meinem Auge ab. Nur -hatte ich oben schon irgendwo geschrieben- ich musste mir immer selbst thematische Schwerpunkte setzen, sonst sah ich den Wald vor lauter Bäumen nicht.
      Da sich altes Gerümpel mit neumodischen Kram irgendwie assimiliert, schwebt so ein Flohmakt tatsächlich zwischen Nostalgie und Aufbruch. Hatte ich auch zuerst für „Old & young“ bei Pabuca als Serie geplant. Kommt jetzt später in anderem Kontext . 😉

      13. Juni 2014 um 7:01 am

  7. Pingback: Bonn, Bochum, World: ZODIAC | PABUCA

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