Der zweite Blick für Bonner und Nicht-Bonner

Hardtberg: Menschen

Eigentlich eine Kategorie, die es in der Serie „Fokus Hardtberg“ gar nicht gibt. Das liegt erstens am Konzept, das sich ganz bewusst auf unscheinbare, alltägliche Ecken fokussiert, um sie “ aus sich rauszulocken“. Menschen geben der Situation sofort etwas Einmaliges. Nur wenn Menschen Beiwerk meines Motivs sind, habe ich sie in die Serie aufgenommen.

Stein

Zweitens verdirbt mir das (deutsche) Persönlichkeitsrecht nach §§ 22 und 23 KUG den Spaß, da Personen nicht identifizierbar sein dürfen (hier eine gute Zusammenfassung). Ich halte das Gesetz für durchaus sinnvoll, denn auch ich möchte darüber bestimmen wollen, wo und wie ich irgendwo publiziert -oder schlimmer- verwertet werde. So gehe ich mit dem Thema sehr behutsam um, was aber kreativ sehr einengt. Gerade Gesichter schaffen doch Emotion in Bildern. Personen haben -wenn überhaupt- in meinen Bildern somit nur den Zweck, eine Situation ganz unabhängig vom Individuum zu unterstreichen.

Am Acker

Ein Bild, das ich für harmlos oder sogar vorteilhaft halte, muss der Abgelichtete noch lange nicht als unbedenklich einstufen. Vielleicht war er am falschen Ort oder mit falschen Personen zusammen, findet sich falsch betont oder hat ethische Vorbehalte. Erst Recht kritisch wird es, wenn das Bild irgendwo in ganz anderem (schädlichen) Kontext kopiert wird, der nichts mehr mit der eigentlichen Situation zu tun hat. Egal, ob dies eine Verletzung des Urheberrechtes von anderen wäre: Ursprung wäre mein Foto.

Auch wenn das alles nur für ein paar Fälle wirklich zutrifft, möchte ich mich nicht moralisch rechtfertigen, indem ich sage, dass die Situation ja harmlos sei und der Fotografierte sich ja melden könne und ich das Bild dann sofort aus dem Netz näme. Unterlassung ist ja im Internet ohne Aufwand möglich (mal von möglichen Abmahnkosten abgesehen…). Dann wäre das Kind aber eventuell längst in den Brunnen gefallen, denn das Model wird wahrscheinlich als letzter auf meinen Blog /Ausstellung / Flickr-Account kommen, sondern erst dann, wenn es durch andere darauf aufmerksam gemacht wurde. Warum auch immer. Aus harmlosen Gründen oder eben auch nicht.

Alle Gesichter werden von mir durch Photoshop stark verfremdet, unkenntlich gemacht (Unschärfe, Helligkeit) und können nach bestem Wissen und Gewissen nicht durch andere erkannt werden (oder werden von mir gefragt).

Scooter

Da ich  außerdem die leise Ambition habe, die Bilder eventuell mal in Ausstellungen oder Büchern zeigen zu können, in denen ich die Einhaltung des Persönlichkeitsrechtes Dritten garantieren muss (entgegen der zahllosen Streetfotografie-Blogs und -Streams), habe ich  das Interesse verloren konkret nach Menschen-Motiven zu suchen. Zu umständlich. Das müssten dann echte Model-Serien sein. Der Rest ist eher Zufall und verschwindet größtenteils auf der Festplatte.

In diesem Sinne ein Hoch auf Gegenlicht, Langzeitbelichtung, Tiefenschärfe, Photoshop und…Helme.

Blog_Hardtberg (52 von 80)

15 Antworten

  1. Gelungen!

    20. November 2013 um 12:47 pm

  2. ganz wunderbar, vor allem das erste ist ein kleines kunstwerk, fast im geiste henry cartier-bressons 🙂

    20. November 2013 um 4:31 pm

    • Oh, ein großer Name.
      War auch das einzige inkl. Mensch in meiner kleinen Ausstellung.

      21. November 2013 um 7:41 am

  3. ja, das persoenlichkeitsrecht ist eine feine sache aber wirklich laestig, wenn man gerne street macht. aber es geht ja auch ohne menschen, wie man hier ja immer wieder gut sehen kann!

    20. November 2013 um 11:13 pm

    • So sehe ich das auch. Wenn ich Motive suche, blende ich Menschen meistens bewusst aus und sehe dadurch anderes.

      21. November 2013 um 7:42 am

  4. Hier sind nicht nur die tollen Bilder faszinierend – der „rechtliche Exkurs“ war auch sehr interessant 🙂

    21. November 2013 um 6:24 am

    • Danke sehr. Ja, das Recht sschwingt immer im Hintergrund mit.

      21. November 2013 um 7:43 am

  5. Ein schwieriges Thema; ich würde unheimlich gerne mal Streetfotografie machen, habe es aber wegen deiner genannten Gründe bisher unterlassen – nur auf einer öffentlichen Veranstaltung habe ich mal eine Ausnahme gemacht, weil man da m.E. damit rechnen muss, fotografiert zu werden…
    Das Bild mit dem Autoscooter gefällt mir übrigens am besten 😉
    LG, Netty

    21. November 2013 um 8:17 am

    • Lies mal den Link. Paar Sachen gehen schon. Der Rest ist Abwägung. Ich halte für Amateure wie uns aber das Persönlichkeitsrecht für genauso wichtig wie das Urheberrecht, da man Betroffenen eher schaden kann. Wie gesagt bezogen auf Amateure.

      23. November 2013 um 12:21 am

  6. karu02

    Das ist auch eines meiner Probleme und schwer zu lösen. Gute Fotos hier bei Dir.

    4. Dezember 2013 um 8:48 pm

    • Ja, ich vermeide es einfach. Ich stelle mir immer vor, ich mache mal ein geniales Bild zufällig, habe nicht gefragt und es versauert dann auf der Festplatte. So schaufel ich mir lieber den Blick frei für anderes.

      4. Dezember 2013 um 10:42 pm

  7. Gerade im ersten Bild ist der Mensch das Wichtigste weil er die Proportionen definiert und das auch noch sehr beeindruckend. Das Thema an sich ist wirklich sehr umfangreich. Der Amateur staunt, der Profi wundert sich.

    22. Januar 2014 um 7:22 pm

    • Richtig, ich habe auch lange auf ihn gewartet (na gut und dabei ein Kölsch getrunken). Danke fürs Kommen und Bleiben und freue mich aufs Wiederkommen und Besuchen.

      22. Januar 2014 um 10:21 pm

  8. Pingback: Bonn, Bochum, World: PEOPLE | PABUCA

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